19. Sep­tem­ber 2018

Rede zu den Jahresabschlüssen andernach.net und geysir.info

Hans-Georg Han­sen
CDU-Stadtratsfraktion

ZU TOP 6 und 7, Stadt­rats­sit­zung am 18.09.2018 Jah­res­ab­schlüs­se andernach.net und geysir.info

Sehr geehr­ter Herr Bür­ger­meis­ter, Mei­ne Damen und Herren,

Übli­cher­wei­se bekla­gen wir an die­ser Stel­le, dass die Gesell­schaft, also Andernach.net, wie­der ein hohes Defi­zit im Jah­res­er­geb­nis aus­weist, wenn­gleich die­ses für 2017 mit 487.000 € etwas nied­ri­ger ist als es schon ein­mal war. Das liegt zum größ­ten Teil dar­an, dass der andernach.net Auf­ga­ben über­tra­gen wur­den, denen kei­ne Ein­nah­men gegen­über­ste­hen, die aber den­noch mit­tel­bar der Stadt und den Bür­gern zu Gute kommen.

Daher muss man die­ses Defi­zit dem ent­ge­gen hal­ten, was mit die­sem Auf­wand er- reicht wor­den ist, und das kann sich aus mei­ner Sicht sehen lassen.

Dazu gehö­ren zunächst die Wirt­schafts­för­de­rung und der Tourismus.

Sicher, wir haben attrak­ti­ve Fir­men in Ander­nach, die vie­len Arbeit­neh­mern einen siche­ren Arbeits­platz schaffen.

Aber bleibt das in Zei­ten so, wo wir über Indus­trie 4.0, die Digi­ta­li­sie­rung von Pro­duk­ti­ons­pro­zes­sen sprechen?

kön­nen wir uns mit dem der­zei­ti­gen Stand zufrie­den geben?

und wie sieht es denn mit der Schaffung neu­er Gewer­be­ge­bie­te aus?

Da arbei­ten wir dran, aber es ist nicht mehr viel Flä­che zum besie­deln übrig, fürch­te ich. Um so mehr müs­sen wir auf Inno­va­ti­on und Zukunfts­fä­hig­keit setzen.

Des­halb sehen wir mit viel Hoff­nung auch auf die durch die Anne-Ehl-Sti­f­­tung beab­sich­tig­te Ein­rich­tung eines Zen­trums für sog. Start-ups, in dem dann hoffent­lich neue, inno­va­ti­ve Neu­grün­dun­gen ent­ste­hen werden.

Dane­ben hängt für mich die Zukunft unse­rer Stadt ganz klar aber auch von der Fra­ge ab, wie wir es mit der Wei­ter­ent­wick­lung des Tou­ris­mus halten.

Im Tou­ris­mus erle­ben wir eine Ent­wick­lung, die Hoff­nung macht. 600.000 Tages- tou­ris­ten und 124.000 Über­nach­tungs­gäs­te zei­gen, dass unse­re Stadt auch nicht nur für uns c, son­dern auch für Gäs­te attrak­tiv ist. Nach den Berech­nun­gen der Käm­me­rei gab Ander­nach im ver­gan­ge­nen Jahr etwas über 7 Mio Euro für tou­­ris­­ti- sche Akti­vi­tä­ten aus, u.a. vom Gey­sir, den Rhein­an­la­gen, dem Kul­tur­ange­bot bis zum Schwimm­bad. Ein­rich­tun­gen, die aller­dings auch zu 46% von unse­ren Mit- bür­gern genutzt wur­den. Und wenn ich die Berech­nun­gen rich­tig ver­stan­den habe, wur­den so viel Einah­men erzielt, dass von Orts­frem­den ein Gäs­te­bei­trag allen­falls in Höhe von 0,01 Euro erho­ben wer­den könn­te.  Also rech­nen sich wohl die Aus­ga­ben für den Tourismus.

Es ent­ste­hen und ent­stan­den neue Hotels, die Zahl der Wohn­mo­bi­le, die Zahl der Fluss­kreuz­fahrt­schiffe, die uns besu­chen, errei­chen immer neue Höchst­zah­len. Da- von pro­fi­tie­ren der Ein­zel­han­del, die Gas­tro­no­mie, die dort Beschäf­tig­ten, und nicht zuletzt auch die Stadt auf­grund von Steuerzahlungen.

Wenn wir das erhal­ten, wenn wir das aus­bau­en wol­len, müs­sen wir wei­ter in das tou­ris­ti­sche Ange­bot für Aus­wär­ti­ge und Gäs­te inves­tie­ren. Und dazu gehört für mich ganz klar, dass wir die Klein­ode, die wir haben, auch nut­zen — und sie not­falls herausputzen.

Das sehen die meis­ten Ander­nacher ein. Dies gilt auch für den sog. Sky­walk, was auch immer man dar­un­ter ver­ste­hen mag.

Sicher, man­che haben da eine ande­re Posi­ti­on: für Man­che reicht es, wie es ist. Man­che sagen, das wer­de zu teu­er, bevor man über­haupt ein­mal plant, Kos­ten ermit­telt und kal­ku­liert, was man denn als Vari­an­ten machen könnte.

Aber mir macht da Mut, dass sich die ganz über­wie­gen­de Zahl der 350 Besu­cher bei der Prä­sen­ta­ti­on im Casi­no, ca. 80 %,  in einer schrift­li­chen Befra­gung mit ihrem Namen für einen Sky­walk an der Kan­zel auf dem Krah­nen­berg aus­ge­spro­chen hat, weil sie die Chan­cen für unse­re Stadt sehen. Und auch die Rück­mel­dun­gen, die uns nach der Ein­woh­ner­ver­samm­lung auf dem Gey­sir­schiff, mit deut­lich weni- ger Teil­neh­mern erreicht haben, waren für mich durch­aus posi­tiv und ermutigend.

Des­halb soll­te man nicht gleich mit Scheu­klap­pen alle Über­le­gun­gen blo­ckie­ren, son­dern ver­schie­de­ne Vari­an­ten erar­bei­ten, dazu die Kos­ten ermit­teln, und dann ent­schei­den: wol­len wir eine gro­ße Lösung, eine Ver­brei­te­rung der Kan­zel um we- nige Meter, oder rei­chen uns ein Eimer Far­be und eine Heckenschere.

Aber, und dazu hat unse­re Frak­ti­on ganz klar Posi­ti­on bezo­gen: Je mehr Attrak­ti­on auf dem Krah­nen­berg geschaffen wird, des­to drin­gen­der wird die Not­we­nig­keit ei- ner alter­na­ti­ven Erschlie­ßung neben der Fels­ter; und dazu ste­hen wir.

Wenn wir auf die­se Wei­se den Tou­ris­mus stär­ken, stär­ken wir auch den Ein­­zel­han- del und die Gas­tro­no­mie in der Innen­stadt. Die­se sind ein unver­zicht­ba­res Ele­ment einer leben­di­gen Stadt. Eine Fuß­gän­ger­zo­ne ohne Geschäf­te und Gas­tro­no­mie ? — das mag man sich gar nicht erst vorstellen.

Und des­halb freu­en wir uns über ehren­amt­li­ches Enga­ge­ment wie zB das der „Leer­stands­lot­sen“ und wün­schen ihnen viel Erfolg. Ich erwar­te, dass dazu noch offe­ne Fra­gen bald geklärt wer­den können.

Und wenn wir Leer­stän­de in der Innen­stadt bekla­gen, die die Attrak­ti­vi­tät der Fuß- gän­ger­zo­ne schwä­chen, dann muss man auch nach den Ursa­chen fragen.

Liegt es feh­len­der Nach­fra­ge, zu hohen Mie­ten, zu alter Bau­sub­stanz? Das mag manch­mal so sein, es gibt aber auch haus­ge­mach­te Hin­der­nis­se. Wenn mir eine Ein­zel­händ­le­rin berich­tet, sie las­se ihren Laden lie­ber leer ste­hen, nach­dem ein Mie­ter­wech­sel statt­ge­fun­den hat, weil das Bau­amt ihr so vie­le Auf­la­gen gemacht habe, dass das nicht mehr mit  ver­tret­ba­ren Miet­ein­nah­men finan­zier­bar sei, dann wirft das Fra­gen auf. Es soll­te ein Alarm­zei­chen an die Poli­tik, aber auch ander-  nach.net sein.  Dar­über, und die per­so­nel­le Aus­stat­tung des Bau­am­tes, soll­ten wir im HFA ein­mal sprechen.

Mass­geb­lich zum Zuwachs im Tou­ris­mus trägt natür­lich der Gey­sir teil. — Auch so ein Pro­jekt, bei dem am Anfang die Beden­ken­trä­ger Schlan­ge standen.

Im Juni 2005 konn­te man dazu in einem Leser­brief lesen: „..Ich fra­ge mich, wer sol­che kost­spie­li­gen Din­ge plant… ein Info­zen­trum, wofür auch ein­fa­che Schau­­ta- feln aus­rei­chen…. hier wird viel Geld in den Sand gesetzt…Die Kos­ten für das Schiff wer­den von der Stadt getra­gen wer­den müs­sen, wenn es nicht aus­ge­las­tet ist. Man braucht kein hoch­do­tier­ter Mana­ger zu sein, um die­ses im Vor­feld als Flop zu erkennen.“

Nun: es kam anders.

Die Erfolgs­ge­schich­te unse­res Gey­sirs erreich­te viel­mehr im ver­gan­ge­nen Jahr mit 140.000 Besu­chern einem neu­en Höhe­punkt. Die Bilanz weist inzwi­schen eine Ei- gen­ka­pi­tal­quo­te von rund 52% aus, also einen gesun­den Wert. Die Umsatz­ren­di­te liegt bei 16 %, damit erst­mals über der­je­ni­gen der Stadt­wer­ke und dop­pelt so hoch wie die durch­schnitt­li­che Umsatz­ren­di­te im Mit­tel­stands­be­richt der KfW für 2017, also her­aus­ra­gend. Das führt auch dazu, dass not­wen­di­ge Instan­d­hal­­tungs- und Erneue­rungs­ar­bei­ten aus eige­ner Kraft gestemmt wer­den können.

Der Erfolg ist dem Kon­zept, der Ein­ma­lig­keit des Drei­klangs aus Aus­stel­lung, Schiffs­fahrt, Gey­sir­sprung, der guten Wer­bung, aber auch dem Ein­satz der Mit­ar­bei­ter zu verdanken.

Des­halb möch­te ich mich bei den Mit­ar­bei­tern bei­der Gesell­schaf­ten und dem Ge- schäfts­füh­rer für die gelei­te­te Arbeit bedan­ken. Ich weiss, ins­be­son­de­re die Mit­ar­bei­ter der andernach.net, aber auch des Gey­sirs, brau­chen mehr Raum, und beim Gey­sir per­so­nel­le Ver­stär­kung,. Die räum­li­chen Ver­hält­nis­se im Gey­­­sir-Zen­­trum sind zu beengt. Das haben wir im Blick und das wol­len wir verbessern.

Die CDU-Frak­­ti­on stimmt den Beschluss­vor­schlä­gen zu.